Der J2 Geografie Kurs von Frau Melchior besuchte am Freitag, 17.1.2020 die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde (GEV) im Wannersaal des Lindenmuseums Stuttgart.

Prof. Dr. Dr. Olaf KÜHNE von der Universität Tübingen sprach zum Thema: Grundlagen (un)nachhaltiger Raumentwicklung in Kalifornien.

Der drittgrößte Bundesstaat der Vereinigten Staaten liegt im Westen des Landes. Vor der Ankunft der Europäer durch Juan Rodriguez CABRILLO im Jahr 1542 war es von mehreren Indianerstämmen spärlich besiedelt. Anfänglich gab es Missionstationen und militärischen Befestigungen mit wechselnden Besitzungen. 1821 wurde Kalifornien mexikanische Provinz. Feindseligkeiten der Siedler gegenüber der Regierung führten dazu, dass diese 1846 ihre Unabhängigkeit proklamierten. Der 1848 einsetzende Goldrausch lockte so viele Glücksritter an, dass die öffentliche Ordnung zusammenbrach. Und so nahm man den Golden State 1850 als 31. Staat in die USA auf. Der Bau der transkontinentalen Eisenbahn (1869) und der Panamakanal (1914) rücken Kalifornien näher an die USA heran. Günstige Landpreise und das Licht waren die Gründe wieso sich in der 1920er Jahren in die Filmindustrie in Hollywood niederlies. Aus dem landwirtschaftlich geprägten Staat entwickelte sich Kalifornien während des Zweiten Weltkrieges durch den Bau von Werften und militärischen Einrichtungen zum bevölkerungsreichsten Bundesstaat.

In Kalifornien leben fast 40 Mio. Einwohner, d.h. ca. 12 % der US-Amerikaner. Das Durchschnittsalter beträgt 34,3 Jahre. Die größten Städte sind Los Angeles, San Diego, San José und San Francisco. Die Metropolregion Los Angeles gehört mit  17,8 Mio. Einwohnern zu einer der größten der Welt.

Das Auto ist das Fortbewegungsmittel. Und so verbringen viele Fahrer ein Teil ihres Tages im Stau, trotz eines sehr gut ausgebauten Straßennetzes. Außer in San Francisco ist der Öffentliche Personennahverkehr in Kalifornien unterentwickelt. Einzelne Ansätze zur Verbesserung gibt es in Los Angeles, aber Autofahren ist einfach zu billig und Wohnen zu teuer. Bis 2029 sollen die Sacramento, San Francisco, Los Angeles und San Diego mit einem Hochgeschwindigkeitszug miteinander verbunden werden. Trotz der Anbindung Kaliforniens an das Schienennetz der USA wird die Eisenbahn hauptsächlich für den Güterverkehr genutzt. Kleine Flugzeuge bringen einen bereits heute über die Staus näher an seinen Arbeitsplatz.

Kalifornien trägt mit 14 % des Bruttoinlandsprodukts (2016) der USA bei. Wäre es ein losgelöster Einzelstaat, wäre Kalifornien die 5. größte Wirtschaftmacht der Welt. Gleichzeitig sind hohe Lebenshaltungskosten und Ungleichheiten der Grund, dass 15% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben, einer der höchsten Raten in den USA.

Die industrielle Landwirtschaft begünstigt durch das Wetter und billige mexikanische Landarbeiter, verhelfen Kalifornien zu Wohlstand. Es wird eine intensive Landwirtschaft betrieben. Denn das Klima und der fruchtbare Boden sind ideal für den Anbau von Wein, Obst, Gemüse, Zitrusfrüchten, Getreide, Baumwolle und Zuckerrüben.

Die Wasserversorgung ist jedoch ein riesiges Problem. Angelegte Stauseen an Flüssen und Kanalbauten leiten aus weit entfernten Gebieten Wasser auf die Felder und in die Städte. Die Nachbarstaaten Arizona und Nevada benötigen ebenfalls viel Wasser und so gerät die Landwirtschaft zunehmend unter Druck.

Ein Bungalow mit großem Garten, Pool und Veranda – so lieben es die Kalifornier. Auch das benötigt viel Wasser. Und so bereitete die anhaltende Dürre der vergangenen Jahre den Boden für die Waldbrände in Kalifornien. Bei jeder längeren Regenperiode wurde das Thema „Wasser sparen“ wieder vergessen. Die Feuergefahr ist bei anhaltender Trockenheit und Wärme sehr hoch. So wird bei bereits bei starken Winden der Strom abgeschaltet. Denn es besteht die Gefahr, dass die Strommasten umstürzen und Feuer auslösen. Und so sitzen manchmal die Haushalte tagelang im Dunkeln.

Reiche Vorkommen an Bodenschätzen sind die Grundlage hoch entwickelter Industrien wie der Luft- und Raumfahrttechnik, Elektronik, Informationstechnologie, Fahrzeugbau, Hüttenwerke u.a. In Kalifornien wurden viele der bekanntesten und größten Unternehmen der Welt gegründet wie z.B. Walt Disney, Facebook oder Apple. Es ist das Ergebnis eines hohen Ausbildungsniveaus durch zahlreiche Hochschulen. Durch die enge Verknüpfung von Wissenschaft und Industrie können Erfindungen schnell umgesetzt werden. Allerdings kratzen umweltgefährdende Chemikalien am Mythos einer sauberen Industrie.

Die Umstellung auf vollständig erneuerbare Energien bis zum Jahr 2045 wurde 2018 beschlossen. Denn nach den beiden Ölkrisen (193/74) und dem Kernschmelzunfall in Harrisburg wird bereits jetzt ein großer Teil der Energie aus Sonne, Wasser und Wind sowie aus Biomasse hergestellt. So steht eine der größten Windparks am Altamont Pass mit über 4.900 Turbinen.

An der Nahtstelle der pazifischen und nordamerikanischen Platte kommt es sehr häufig zu Erdbeben in der gesamten Region. So gilt das Erdbeben von San Francisco von 1906 als eine der schlimmsten Naturkatastrophen in den USA. Das Beben der Stärke 7,8 verursachte durch gebrochen Gasleitungen Feuer. Über 3.000 Menschen kamen ums Leben, 28.000 Gebäude wurden zerstört und 225.000 Menschen obdachlos. Schnell entwickelt man Pläne zum Wiederaufbau. Bau- und Brandschutzvorschriften missachtete man. Und so würde ein schwächeres Beben viele Teile der Stadt verwüsten, da viele Gebäude noch aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen.

In der atemberaubenden Schönheit der Landschaft scheint die Sonne z.T. über 300 Tage im Jahr. Auf engen Raum heiße Wüsten, über 4.000 m hohe Berge, die Pazifikküste - extrem vielfältig. Neben zahlreiche Nationalparks (z.B. Death-Valley, Yosemite) hat der Bundesstaat die meisten National Monuments. Diese locken zahlreiche in- und ausländische Touristen an.

So hat sich Kalifornien zu einer global wirkenden Region entwickelt. Alle Neubauten müssen seit Januar mit Solaranlagen ausgerüstet werden, dies ist nachhaltig. Doch es gibt auch zahlreiche Probleme wie eine marode Infrastruktur, Stromausfälle, Waldbrände, Wasserknappheit und Wohnungsnot, dennoch strahlt Kalifornien einen unerschütterlichen Optimismus aus. Irgendwie geht es immer weiter.

- Heidrun Melchior -