Zurück in die Schule: Theaterpädagogischer Workshop zum Thema „Wahrnehmung und Reflexion“

Ein Tag - zwei Perspektiven
„Wir haben bei diesem Workshop gemeinsam als Klasse verschiedene Spiele gespielt. Dabei haben wir gelernt, in stressigen Situationen ruhig zu bleiben und auf uns zu achten.
Beim ersten Spiel haben wir im gesamten Raum so viele Stühle verteilt, dass ein Stuhl frei blieb. Eine Person musste nun versuchen, zu diesem Stuhl zu kommen. Diese Person durfte dabei aber nur einen Fuß direkt vor den anderen setzen, sodass sie nur sehr langsam vorankam. Die anderen SpielerInnen saßen auf den Stühlen und mussten - ohne miteinander zu sprechen - verhindern, dass die Person ohne Stuhl den freien Stuhl besetzen konnte. Dabei war es den Spielern zwar erlaubt, normal schnell zu gehen, aber sie durften nicht mehr direkt auf ihren alten Stuhl zurück. Gelingen konnte dies der großen Gruppe nur, indem nur einer von den Sitzenden aufstand und nicht viele gleichzeitig durch ihr Aufstehen mehrere Stühle freimachten. Denn dann konnte der eine Spieler ja leichter einen freien Stuhl ergattern. Das Spiel erforderte Aufmerksamkeit für die anderen und die Spielsituation sowie Geduld.
Bei einem anderen Spiel standen wir alle im Kreis und mussten die Augen schließen. Dann ist Jan, der Leiter des Workshops, um uns herumgelaufen. Dabei konnte er eine Person oder mehrere Personen antippen. Wir sollten dann raten, welche MitschülerInnen Jan angetippt hatte. In der ersten Runde hatte er niemanden angetippt und in der zweiten alle. Auch hier war Aufmerksamkeit und Gespür für die anderen gefordert. Zudem haben wir in diesem Spiel gelernt, unsere MitschülerInnen nicht direkt für Situationen zu verurteilen, wenn wir uns unsicher über deren Ursache sind, z.B. weil jemand so wirkte, als ob Jan ihn angetippt habe.
Der Workshop war sehr kreativ und hat uns viel Spaß gemacht.“
Emil Dabel
Schüler der 6a
„Eine bewusste Wahrnehmung des eigenen Umfelds und das ständige Reflektieren der eigenen Gemütslage fällt nicht nur in den täglichen Arbeitsalltag als BühnendarstellerIn, sondern kann auch der Schlüssel zu einem ausgeglichenen Leben sein.
Im Rahmen meines Abschlusses der Ausbildung zum Schauspieler und Theaterpädagogen durfte ich an meine alte „Wirkungsstätte“, das Johannes-Kepler-Gymnasium, zurückkehren, um mit den SchülerInnen der Klassenstufe 6 einen spielerischen Workshop durchzuführen, bei dem Wahrnehmung und Reflexion im Mittelpunkt stehen sollten. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass unter den geltenden Voraussetzungen eine solche Zusammenarbeit zustande gekommen ist und die SchülerInnen dieses Angebot so dankend angenommen haben.
Die SchülerInnen wurden sehr gefordert, denn für einen solchen Exkurs braucht es enorm viel Konzentration, die nicht immer abrufbar ist. Minutiös galt es unter anderen die Klassenkameraden zu analysieren und beispielsweise minimale Veränderungen zu erkennen. Die anfänglichen Schwierigkeiten wurden schnell beiseitegelegt und so war es nach kurzer Zeit auch möglich, in voller Konzentration, um kurz nach 8 Uhr wohlgemerkt, ein Gefühl für den Raum, die MitschülerInnen und sich selbst zu entwickeln. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den Heranwachsenden vor Augen zu führen, dass wir unbewusst oft gar nicht realisieren, was um uns herum passiert. So sehen wir zum Beispiel unsere KlassenkameradInnen mehrere Stunden am Tag und können nicht zwingend sagen, welche Klamotten sie trugen. Dieses Phänomen ist absolut alltäglich, da der Mensch in dieser schnellen und effizienten Zeit aufs „Funktionieren“ gedrillt wird. Wichtig ist es aber, diesen Leistungsgedanken in den richtigen Momenten zu entschleunigen und sich ganz bewusst Zeit für sich zu nehmen, in welcher Form auch immer. Es bleibt mir nichts anderes als Danke zu sagen. Ich freue mich auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!“
Jan Sedlacek
ehemaliger Schüler des JKG; Schauspieler und Theaterpädagoge