Zum Tode des früheren Abteilungsleiters Thomas Nieter


Mit großer Trauer und Bestürzung hat die Schulgemeinschaft auf die Nachricht reagiert, dass der langjährige Abteilungsleiter des Johannes-Kepler-Gymnasiums, Herr StD Thomas Nieter, am 12. April verstorben ist. Die Trauerfeier fand am vergangenen Freitag, 6. Mai 2022, in der Kirche St. Barbara in Hofen statt.

Nachruf auf Thomas Nieter

Wann immer wir in den letzten Tagen jemandem die so überaus traurige Nachricht von Thomas Nieters Tod mitteilen mussten, waren die Reaktionen ähnlich:

  • „Wie traurig, er war doch immer so lebensfroh!“
  • „Er war immer so herzlich und seinen Schülerinnen und Schülern zugewandt.“
  • „Seine humorvollen Alltagstipps, z.B. wie man im Schulhaus bis in den Musiksaal gelangt, ohne aus der Puste zu kommen, werde ich nie vergessen.“
  • „Hoffentlich konnte er einigermaßen schmerzfrei gehen und feiert schon die erste Party, wo auch immer er jetzt ist.“

Immer konnte man den strahlenden Thomas so wie auf dem obigen Foto vor sich sehen. All das war Thomas und noch vieles mehr, was man manchmal nicht gleich auf Anhieb erkennen konnte.

Er hat gerne gelacht und sein Lachen mit jeder Faser seines Körpers war ansteckend und mitreißend. Auch über sich selbst konnte er gut lachen und er hat sich selbst dabei nicht zu ernst genommen. Wer seinen Auftritt als David Hasselhoff beim Keplerabend mit allem, was dazu gehört, erleben durfte, konnte sich davon eindrucksvoll überzeugen.

Andere hat er dagegen sehr ernst genommen. Das konnte man daran merken, wie aufmerksam er zuhören konnte. Und er hat sich die Dinge gemerkt. So konnte es durchaus passieren, dass man plötzlich aus dem Urlaub eine Nachricht bekam, weil ihm etwas über den Weg gelaufen war, worüber man sich vor Monaten einmal mit ihm unterhalten hatte.

Er war ein Genussmensch. Ein schönes Fest, eine anständige Feier mit ihm mittendrin statt nur dabei: Das hat ihm gefallen. Denn er war auch ein begnadeter Erzähler mit einem schier unerschöpflichen Fundus an Anekdoten. Er konnte so unterhaltsam erzählen, dass auch Sprachbarrieren kein Hindernis mehr waren. Wir wurden z.B. noch ein Jahr später von chinesischen Kollegen, die kein Deutsch und eigentlich auch kein Englisch konnten, in Qingdao auf den Kollegen angesprochen, mit dem sie einen offenbar unvergesslichen Abend aus der Reihe „Luschtich hemmers ghet“ in der Sattlerei verbracht haben.

Die Geschichte „Bubi Nieter, hol‘ mir meinen Dienstschnaps!“, wie er einmal als Fünftklässler von einem Kunstlehrer Mitte der 60er Jahre zur Hausmeistersgattin geschickt wurde, um diesem Kollegen das heute unvorstellbare Dienstgetränk zu holen, war ein absoluter Favorit.

Er hat die Schule und das Unterrichten geliebt und er hat jeden Tag in der Schule genossen. Thomas Nieter sind seine Klassen und Kurse immer sehr ans Herz gewachsen und er hat die weiteren Wege seiner Schützlinge immer sehr aufmerksam verfolgt. Er ist schweren Herzens in den Ruhestand gegangen und hätte gerne auch noch über den Ruhestand hinaus unterrichtet.

Er hat seine Schule, das Kepler, geliebt. So sehr, dass er nicht nur von 1964 bis 1973 neun Jahre als Schüler, sondern dann auch von 1996 bis 2019 23 Jahre als Kollege und Abteilungsleiter an seinem Kepler sein wollte. Natürlich war er all die Jahre im Verein der Freunde. Er hat das Kepler gelebt und war selbst für viele ein ganz großes Stück Kepler, das er übrigens auch als Gebäude so geliebt hat.

Denn er war auch ein Ästhet, der das Schöne liebte, ein Gespür dafür hatte und es in einer für einen überzeugten Schwaben wie ihn ja etwas ungewöhnlichen, barocken Art und Weise genießen konnte. Er hat das aber nicht oberflächlich getan, sondern man konnte erahnen, dass dahinter noch etwas steckt.

Es gibt da nämlich noch eine tiefere Seite, die man entdecken konnte, wenn man ihm ein wenig näher kam. Seinen Glauben. Thomas Nieter war tiefreligiös und auch das wieder in der für ihn typischen Weise. Er hat nämlich einmal erzählt, dass er eigentlich schon viel früher hat katholisch werden wollen, weil er die Rituale und den Weihrauch so liebe, dass er damit aber warten musste, bis seine Mutter nicht mehr lebte, weil er ihr diese Konversion nicht zumuten konnte.

Danach aber hat er sich dann Stunden, Tage und Wochen ehrenamtlich in der Kirchengemeinde St. Barbara in seinem geliebten Hofen engagiert. Solange er konnte. So hat er, als er schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet war, noch ein Bild von sich im Messgewand geschickt, verbunden mit dem Kommentar „Einsatz im Auftrag des Herrn, solange es geht.“

Das führt zu einer Eigenschaft, die wir erst in den letzten Tagen und Wochen kennenlernen durften. Er war tapfer. Damit ist jetzt nicht die Tapferkeit im Alltag, mit der er jede neue Reform der Bildungspläne ertragen und an sich hat abperlen lassen, gemeint, sondern eine viel tiefere Tapferkeit. Frau Nieter hat uns erzählt, dass er noch kurz vor seinem Tod gesagt hat: „Jeder Tag ist ein Geschenk, und das Leiden ist der Preis dafür.“ Was für ein Satz, mit dem wir immer an ihn denken werden.

Die Schulgemeinschaft verliert mit Thomas Nieter einen tapferen, lebensfrohen und leidenschaftlichen Pädagogen und gedenkt seiner in Dankbarkeit.

Auf ein Wiedersehen! Wir freuen uns schon auf ein strahlendes Lachen!