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TRAUMTHEATER im „Kepler“, Freitag, 22. Januar 2016, 20 Uhr: volle zehn Minuten Applaus des Publikums, die Schauspieler verbeugen sich, Arme schwingen nach oben, viele „Vorhänge“! Der Musiksaal ist zum Theater geworden und voll besetzt. 17 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen sechs bis zehn spielen vor geschätzt 100 Zuschauern ihr selbst geschriebenes Theaterstück.
Lag es an den Szenen, entstanden aus Gesprächen über Träume und Albträume, Wünsche und Ängste, elektronische Medien, Nachrichten von Flucht und Terrorismus? Waren es die Leistungen der Schauspieler, die uns Zuschauer so begeistert haben? War es der zu den Szenen passende Sound, das Bühnenbild, die präzise Ton- und Lichttechnik? Oder die Harfenmusik, mit der eine Schülerin zum Träumen eingeladen hat? Was war wichtig, was entscheidend? Antwort: Nichts allein, alles zusammen!

Den Zuschauern zeigen, was die Schülerinnen und Schüler gerade beschäftigt - das war das Ziel dieses Traum-Projekts der Theater-AG unter der Leitung von Frau Hezel.

Wenn eine ungeduldige Mutter ihr Kind mit einer lieblos kurzen Gute-Nacht-Geschichte ins Bett bringt und mit der Mahnung schließt, auf die Monster unterm Bett zu achten, muss man als Zuschauer herzlich lachen - und entdeckt sich vielleicht auch ein bisschen selbst darin? Bis einem - oh Schreck - das Lachen dann doch vergeht, wenn diese Monster tatsächlich lebendig werden.

Wir fühlen mit, wenn ein Mädchen vor lauter Panik vor der vergessenen Mathearbeit fast durchdreht oder eine abendliche Geschichte derartig spannend ist, dass die Geschichte zum Traum und man selbst Teil des Ganzen wird. Das Berufsziel Internetstar wird in einer anderen Szene in Karikatur des Phänomens allseitiger Verkündigung abstruser Inhalte, Ziele und „sensationeller“ Produkte in Frage gestellt: Schule ohne Klassenarbeiten, Abitur für alle, grandiose Make-up-Tipps? Jessy erzählt ihrer Follower-Gemeinde auf Youtube eigentlich alles, was ihr so einfällt. Das kommt ganz gut an: „Jessy, Du bist für unsere Zeitschrift ´Rumms´ die Stimme deiner Generation.“ Für einen Tag. Der nächste „Star“ ist schon im „Aufwind“ – vor der Windstille.

In einer anderen Szene setzt sich das Ensemble mit den aktuellen Fragen der Flucht von Millionen Schutzsuchenden aus Kriegs- und Krisengebieten auseinander. Wie die ständig neuen Schlagzeilen auf uns einprasseln und was sie mit unseren Schülern machen, zeigen die Schauspieler, indem sie uns mitten in einen WhatsApp-Chat entführen. Alltag für Kinder und Erwachsene, der einem schon mal einen Angsttraum bescheren kann. Ein alltägliches Bild zeigt sich auch im Traum der letzten Szene: Uniform starren alle Passagiere der Straßenbahn in ihre Handys. Doch dann: Netzstörung! Was kann das bloß sein? Die Leute in der Bahn wundern sich, zwei sprechen direkt miteinander, andere fangen an zu lachen, alle schauen sich freundlich lächelnd um, sprechen spontan direkt miteinander, lachen. So geht es also auch!

So schließt das Traumtheater mit dem herzlichen Lachen der Schauspielerinnen und Schauspieler und lässt uns Zuschauer beschwingt, aber auch nachdenklich zurück.
Die gewinnenden Worte von Herrn Nieter nach Applaus und Freude des Ensembles zum guten Gelingen sind die Anerkennung dieser besonderen Team-Leistung mit Facetten aus Familie, Schule, Gesellschaft und Welt.